Happy Granny wird 1 Jahr

„Das ist ja ein lustiger Apfel“, scherzt Sarah Lazar, als das knackige, runde Obst sich endlich vierteln lässt und dem sanften Druck von Edith Mayrs Messer nachgibt. Die 90-Jährige hilft gerne an der Küchenzeile und freut sich auf den Apfelkuchen, den es am Nachmittag für sie und die elf weiteren Bewohner der Senioren-Wohngemeinschaft Happy Granny geben soll.

Genau ein Jahr besteht das Haus in grüner Lage in Leitershofen, das Lazar leitet, nun und das Konzept ist voll aufgegangen: Die Bewohner zwischen 70 und 95 Jahren fühlen sich wohl in ihren persönlich eingerichteten Zimmern mit eigenem Bad, aber am allerliebsten verbringen sie Zeit gemeinsam mit Betreuern, Pflegern und Köchin im großen, hellen Gemeinschaftsraum oder im Garten. Gerade gab es Obstsalat und Joghurt als Zwischenmahlzeit an diesem August-Morgen, nun ist Zeit für Gedächtnistraining, Bewegung und den Gottesdienst, der in Kooperation mit der Gemeinde im Haus stattfindet. Alle nehmen teil – nur der 95-jährige Herr Bauer ist mit seinem Neffen unterwegs, der extra aus Bremen angereist ist und heute mit seinem Onkel Erinnerungsorte aus dessen Kindheit wie seine alte Schule besucht. Das ist der Vorteil einer Senioren-WG: Bewohner und Angehörigen sind unabhängig von Besuchszeiten.

„Das hat sich auch während des Corona-Lockdowns bewährt“, erklärt Lazar, „als wir uns anders als konventionelle, große Pflegeheime viel Zeit nehmen und etwas einfallen lassen konnten, damit die Familien sich wenigstens über den Gartenzaun hinweg sehen konnten.“

Sarah Lazar nimmt sich gerne persönlich Zeit für die Bewohner, ob zum Äpfelschneiden mit Frau Mayr oder zum Zuhören, wie es früher war – auch wenn die Bürokratie aufwändiger als erwartet ist. „Aber während ich Telefonate mit Ärzten oder ähnliches erledige, kann ich mich auf mein 16-köpfiges Team voll verlassen“, erzählt die junge Frau. „Ich bin Feuer und Flamme für meine Tätigkeit. Jeder Tag ist anders und es war ein tolles erstes Jahr, dem hoffentlich noch viele folgen!“